Neues Jahr …

… neuer Schal

 

Traumfänger mit blauen Raffschlingen
Traumfänger mit blauen Raffschlingen

 

… neue Geschichte:

(nur Leseprobe, hört auf, wenn es am spannensten ist! – Wer mehr will, kann mir ja mailen.)

Der freche Franz

In einem Teich eines großen Parks, mitten in einer großen Stadt, lebte neben Enten, Goldfischen und Libellen ein bemerkenswerter Laubfrosch. Meist saß er gut versteckt im Schilf, auf einem schwimmenden Seerosenblatt oder irgendwo im feuchten Laub verborgen. Aber immer wieder mal, besonders im Sommer, wenn viele Menschen im Park spazieren gingen, trieb es ihn in ihre Nähe. Besonders in die Nähe von jungen, hübschen Mädchen.
Einmal legte sich eine Schülerin einer nahegelegenen Schule in einer Pause ins Gras am Ufer des Teichs. Sie genoss die Sonnenstrahlen auf ihrer Haut und schloss die Augen. Der grüne Laubfrosch näherte sich vorsichtig ihrem Kopf, er hüpfte nicht, er krabbelte mit seinen langen Beinen zu ihrem Ohr und flüsterte ganz leise, um sie nicht zu erschrecken:
„Hallo, ich bin der Franz!“
Das Mädchen blinzelte in die Sonne und sah sich suchend um. Sie sah aber niemand in ihrer Nähe und richtete sich auf. Da erst gewahrte sie den grünen, Handteller großen Frosch. Er hob seine rechte Hand, um ihr zu zuwinken, und sie rieb sich ganz verwundert die Augen. Vermutlich hatte sie noch nie von einem sprechenden Frosch gehört.
„Ja, ich bin der Franz, und ich kann sprechen, weil ich ein verzauberter Prinz bin.“
Das junge Mädchen überlegte gerade, ob es schreien und davonlaufen, oder sich diesen seltsamen Frosch genauer ansehen sollte. Wieder hob der Frosch die Hand um zu winken, dann verzog er seinen breiten Mund zu einem Grinsen und zwinkerte mit einem Auge.
„Ein verzauberter Prinz!“ Das Mädchen glaubte ihm nicht. Sie glaubten ihm nie auf Anhieb. Deshalb hatte Franz gelernt, wie er es anstellen musste, um an sein Ziel zu gelangen.
„Ich bin ein verzauberter Prinz! Könnte ich sonst als Frosch mit dir sprechen?“
„Hm“, das Mädchen begann zu zweifeln und sah sich nach seinen Freundinnen um, oder ob sie jemand dabei beobachtete, wie sie mit einem Frosch sprach!
„Ein sprechender Frosch!“, jetzt begann sie zu lachen, denn es war niemand in der Nähe.
„Wenn du mich küsst, werde ich erlöst!“, behauptete Franz da ganz frech, und verzog sein breites Maul zu einem spitzen Mäulchen.
„Du bist süß!“, das Mädchen kicherte und wurde immer unsicherer. „Wenn ich dich küsse, verwandelst du dich in einen Prinzen? – Wie im Märchen?“
Jetzt antwortete Franz nur mit „Quack!“
Sie legte ihre Hand ins Gras und ließ Franz darauf klettern, dann hob sie ihn auf Augenhöhe:
„Und es muss ein Kuss sein?“
„Hm!“ Franz nickte und spitzte sein Maul.Franz
Das Mädchen schloss die Augen, näherte den Frosch ihren Lippen, formte einen Kussmund und mit einer ganz leichten Berührung küsste sie den Frosch auf sein Maul. Sie öffnete die Augen, aber es war nichts geschehen. Franz war immer noch ein Frosch und saß auf ihrer Hand.
„Du musst fester küssen!“, behauptete er.
Widerwillig versuchte es das Mädchen erneut, verharrte länger auf den feuchten Lippen des Frosches. Mit seiner langen Zunge schleckte er über ihre weichen Lippen, dann sprang er mit einem großen Satz von ihrer Hand herunter, und mit einem „Platsch“ hinein in den Teich. Quackend lachend flüchtete er ins Schilf. Das Mädchen sah nur noch die Wasserringe und musste enttäuscht feststellen, dass der Frosch sie belogen hatte. Beschämt ging sie zurück in die Schule. Sie würde niemand erzählen, wie dumm sie gewesen war, einem sprechenden Frosch zu glauben.
Bis jetzt hatte noch nie ein Mädchen ein Wort über diesen seltsamen Frosch verloren, obwohl der freche Franz schon eine ganze Menge hereingelegt hatte. Manche ekelten sich vor ihm und versuchten erst gar nicht ihn zu küssen. Ein anderes Mädchen hatte ihn vor Enttäuschung in den Teich geworfen, aber das kümmerte Franz wenig. Manchmal aber war es auch schon gefährlich für ihn geworden. Ein Mädchen war so wütend über die dreiste Lüge des sprechenden Frosches gewesen, dass sie ein dickes Buch nach ihm geworfen hatte. Es verfehlte Franz nur knapp, sonst wäre er platt gewesen. Wiederum ein anderes Mal schloss sich die Hand eines Mädchens während des Kusses um den kleinen Frosch und er konnte nicht mehr davon hüpfen. Er strampelte zwar, aber das Mädchen sperrte ihn in eine leere Vesperdose und schloss den Deckel. Das konnte böse für ihn ausgehen, denn die Luft würde knapp werden.
„Warum machst du das?“, fragte das Mädchen erbost.
„Ich küsse so gerne Menschenmädchen“ antwortete Franz ehrlich. „Sie sind so bezaubernd mit ihrer zarten weißen Haut und den weichen rosa Lippen, ich bin ganz versessen aufs Küssen!“
Lange sagte das Mädchen nichts mehr und Franz befürchtete schon, dass sie fortgegangen sein könnte. In der Vesperdose wurde es warm, denn die Sonne schien darauf. Er bräuchte Schatten und Wasser, sonst bestand die Gefahr, dass er vertrocknen würde.
„Bitte, lass mich raus, sonst muss ich sterben!“ rief er so laut er konnte. Keine Reaktion.
Der freche Franz begann zu schwitzen, teils durch die Sonneneinstrahlung und teils durch die Angst, er könnte in diesem blöden Gefängnis umkommen.
„Lass mich raus! Bitte! – Es tut mir leid, dass ich dich angeschwindelt habe. Ich kann sprechen, aber ich bin kein verzauberter Prinz!“
„Du musst versprechen, dass du das nie wieder tun wirst!“, verlangte nun das Mädchen.
„Quack, quack! – Äh, ja, alles was du willst, nur lass mich raus hier!“
Und tatsächlich wurde die Vesperdose geöffnet, die Hitze konnte entweichen und bevor noch eine Hand auftauchen konnte, um ihn festzuhalten, sprang Franz mit ganzer Kraft aus der Dose. Er landete im Gras und hopste so schnell er konnte in den Teich. Am liebsten wäre er nicht mehr aufgetaucht, aber er musste atmen und wollte auch nachsehen, ob das gefährliche Mädchen verschwunden war. Nein, sie stand noch am Ufer, drohte mit dem Zeigefinger und rief: „Lass dir das eine Warnung sein, Franz, belüge keine Mädchen mehr!“
Franz tauchte ab und nahm sich auch vor, fortan keine Mädchen mehr anzusprechen. Aber als die Langeweile überhandnahm und er immer mehr Lust aufs Küssen verspürte, schlug er die Warnung in den Wind und pirschte sich an sein nächstes Opfer heran.
„Hallo, ich bin der Franz!“
„Soo, der Franz bist du.“ Es war schon ein etwas älteres Mädchen, welches diesmal allein am Teich eine Pause in der Sonne machte. …